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Der „Schlachthof“ in Darmstadt PDF Drucken E-Mail

In der Gastronomie ist nichts so beständig wie der Wandel. Natürlich gibt es viele Lokale, die über Jahre oder Jahrzehnte von den gleichen Inhabern geführt werden. Aber nicht selten erlebt man Überraschungen wie nun im Restaurant am früheren Schlachthof-Gelände in Darmstadt. Dort hatte die Gastronomen-Familie Knierim vor gut einem halben Jahr ihr ambitioniertes Experiment einer Verbindung von Brauhaus- und Mittelmeerküche begonnen. Doch als der Dippegucker nachschmecken wollte, war diese Phase schon wieder beendet.
Andrea Vuocolo führt das Experiment in abgeänderter Form weiter, und er scheint bemüht, an die Arbeit der Vorgänger anzuknüpfen. So liegt die alte, liebevoll gestaltete Speisekarte mit historischen Fotos und Erklärungen zur Handwerkskunst in dem hell und edel möblierten dunklen Gastraum weiter aus.
Einige Teile wurden entfernt, andere mit neuen Angeboten überklebt. Der Akzent liegt nun stärker auf Mittelmeer denn auf Brauhaus, wie schon die Endlosberieselung mit Eros Ramazotti deutlich macht.
Die Tafel mit den Tagesgerichten setzt dagegen ein paar regionale und saisonale Akzente. Die Scholle Finkenwerder Art (10,90 Euro), die üblicherweise mit Speckwürfeln gebraten wird, klang allerdings verlockender, als sie dann auf dem Teller lag – vier kleine Streifen Schollenfilet waren gitterförmig übereinandergelegt, darüber lag eine erwärmte Scheibe Dörrfleisch. Der Fisch war einwandfrei gebraten, zart und saftig, der Kartoffelsalat dazu war eine eisig kalte, kompakt wirkende Masse von weißlichem Aussehen.
Viel erfreulicher waren die Bruschette, mit denen der Gast noch beschäftigt war, als die schnelle Scholle schon anrückte – für vier Euro gibt es vier knusprig geröstete Weißbrotscheiben mit einem aromatischen Belag aus zwiebelig verfeinerten Tomatenwürfeln.
Die Schnitzelkarte (jeweils 12,90 bis 14,90 Euro) lebt von einer Vielzahl internationaler Variationen – sei es mit Kochkäse, auf Bergbauern-Art (mit dunkler Speck-Zwiebel-Soße) oder provençalisch (mit Tomaten, Kapern und Oliven).
Das Rinderfilet mit Gorgonzolasoße und Pommes frites (22 Euro) war ein hübsches Stück Fleisch, zart und rosa gebraten. Dünn und säuerlich wirkt die Spargelcremesuppe (5,90 Euro).
Überzeugen kann dagegen in jeder Hinsicht der gemischte Vorspeisenteller (11,50 Euro), mit einem butterzarten Carpaccio im Duett mit getrocknetem Rindfleisch und würziger Tomaten-Mozzarella-Kombination. Der Fischsalat setzt in diesem Ensemble einen schönen Akzent, ist zum selben Preis solo allerdings eher langweilig, da er fast nur aus kleingeschnittenem Oktopus besteht.
Um zehn Euro kosten auch verschiedene Gnocchi-Gerichte mit ziemlich ähnlichen Soßen, die entweder mediterranes Gemüse umhüllen oder aber, ungewohnt und eindrucksvoll, Spargel und Trüffel.
Auch die Getränkekarte ist die alte, einschließlich der stellenweise interessanten, aber ebenso knappen wie zufälligen Weinauswahl. Beim ordentlichen, aber unauffällig samtig-weichen Chianti überrascht der Flaschenpreis von 39,50 Euro.
Ebenfalls komplett übernommen wurde die reichhaltige Auswahl an verdauungsfördernden Spirituosen, die im Vergleich zum Übrigen überraschend preiswert sind. Für den weichen, bernsteinfarbenen Rheingauer Winzerbrand (3,90 Euro) mit 25 Jahren Fasslagerung lassen wir jeden Cognac stehen.Mit letzterem muss auch der 95er Plantation-Rum aus Barbados (ebenfalls 3,90 Euro) ebenso wenig einen Vergleich scheuen wie der Grappa aus drei Traubensorten von Roner (5,90 Euro).
Bei den Desserts indes gefiel die Präsentation besser als das nicht gerade überraschende Angebot. Bei unserem Besuch gab es die Wahl zwischen Tiramisu, Crème brûlée und Tartufo-Eis (5,50 Euro), das dekorativ mit Sahneklecks, Kiwischeiben und Schokosoße angerichtet war.

http://www.echo-online.de

 
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