Hochsaison für Zucker und Zimt

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Schnee rieselt wie Puderzucker und bleibt als Zuckerguss auf den Bäumen liegen. Aus den Schornsteinen steigt Rauch, der an Zuckerwatte erinnert. Aus der Ferne betrachtet könnten die Häuser aus Lebkuchen sein. Wenn wir an Weihnachten denken, steigt uns sofort der Duft von süßem Gebäck und Gewürzen in die Nase.

Bei etwa 34 Kilogramm pro Person liegt derzeit der jährliche Zuckerverbrauch in Deutschland. Das ist immerhin die dreifache Menge von dem, was vor etwa 100 Jahren konsumiert wurde. Um 1850 waren es sogar nur zwei Kilogramm Zucker im Jahr. Erst mit der Entdeckung des Rübenzuckers wurde die günstigere Herstellung des Süßmachers in Europa möglich, was die Nachfrage nach Zucker im 19. Jahrhundert rasant ansteigen ließ. Im 18. Jahrhundert galt Zucker noch als Luxusgut, da er aus den Kolonien eingeführt werden musste. Außerhalb der großen Städte stand das "weiße Gold" nur selten auf der Speisekarte. Auch Gewürze wie Zimt, Kardamom und Anis waren sehr kostbar und fanden daher, wenn überhaupt, nur an wichtigen Feiertagen Verwendung.

Auf den ersten Blick ist es daher nicht verwunderlich, dass süßes Gebäck zu Weihnachten erst allmählich - zunächst in den Städten und später auf dem Lande - an Bedeutung gewann. Gerade in der ländlichen Region der Lüneburger Heide überwog vor allem der Gedanke, sich am Heiligen Abend einmal richtig satt essen zu können, weshalb dieser Abend auch "Vullbuksåvend" genannt wurde. Alten Aufzeichnungen zufolge kamen hier vor allem herzhafte Speisen auf den Tisch: Verschiedene Würste und Sülze, Grün- oder Braunkohl sowie Kartoffeln zählen zu den traditionellen Gerichten, mit denen sich nicht nur die wohlhabenden Bauern, sondern auch das Gesinde die Bäuche füllte. Neben einer großen Anzahl an Fleischgerichten werden jedoch auch einige Süßspeisen erwähnt.

Lange Zeit spielte in der regionalen Küche vor allem Honig eine tragende Rolle, wenn kleine Leckerbissen gesüßt wurden, zumal die Imkerei in der Heide weit verbreitet war. Zu feierlichen Anlässen wie Weihnachten wurde seit Mitte des 19. Jahrhunderts jedoch auch auf dem Lande zunehmend mehr Zucker verwendet. Außer Butterkuchen buken die Frauen auf den Bauernhöfen zu Festtagen auch mit Rosinen verfeinerte Stuten aus Roggen- und Weizenmehl. Diese "Luffen" verteilten sie ebenfalls an die Mägde und Knechte. Die Kinder bekamen häufig Kuchen, Äpfel und Nüsse geschenkt. Nicht nur wegen ihrer Nährstoffe, sondern auch aufgrund ihrer Süße waren zudem Backobst und getrocknete Früchte beliebt. Selbst das Vieh bekam eine besonders große Ration Futter.

Christbäume kamen in der Region zwischen Elbe und Heide erst...(Thomas Kühn/han-online)


 

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